Wirkungsfelder

Effizienzsteigerung durch automatisierte Datenverarbeitung, vernetzte Informationsflüsse und operative Prozessoptimierung
Ein wichtiger Hebel für mehr Effizienz ist die Automatisierung datenbezogener Prozesse. Standardisierte und maschinenlesbare Produktinformationen ermöglichen es, Daten einfacher zu pflegen und in unterschiedlichen Prozessen automatisch bereitzustellen. Materialdatenpässe unterstützen dies durch automatisierte Nachweise, weniger Dokumentationsaufwand, effizientere interne Abläufe sowie verbesserte Prozesse in Betrieb, Logistik und Verwaltung. Strukturierte Daten reduzieren manuelle Arbeitsschritte und schaffen gleichzeitig mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit.
Effizienz entsteht außerdem durch besseren Zugang zu Informationen. Wenn Planung, Hersteller, Bauausführung und weitere Beteiligte Informationen direkt und strukturiert austauschen können, werden fragmentierte Kommunikationswege und aufwendige Abstimmungen reduziert. Konsistente Daten, nachvollziehbare Informationsflüsse und zentral verfügbare Informationen ermöglichen eine schnellere, belastbarere und einfachere Zusammenarbeit über Unternehmens- und Projektgrenzen hinweg.
Auch auf operativer Ebene entstehen Effizienzgewinne durch die Optimierung von Abläufen und Ressourcen. Die Verknüpfung von Termininformationen, Materiallogistik, Nachunternehmerleistungen und Bauausführung verbessert Termin- und Ablaufstabilität und erhöht die Ausführungssicherheit. Simulationsmodelle, Echtzeitdaten und kontinuierliche Aktualisierungen ermöglichen eine dynamische Steuerung von Baustellenprozessen. Ressourcen können frühzeitig geplant, Risiken bewertet und Anpassungen in Echtzeit an Beteiligte und Systeme weitergegeben werden.
Auch die technologische Infrastruktur wird explizit auf Effizienz ausgerichtet. Werkzeuge wie Simple Data Exchanger (SDE), Industry Core Hub oder EDC Management Console sollen den Einstieg in den Datenraum vereinfachen, operative Aufwände reduzieren und die Anbindung bestehender Anwendungen sowie Legacy-Systeme beschleunigen.

Datenbasierte Widerstandsfähigkeit für Bauprojekte und Lieferketten
Ein wesentlicher Baustein resilienter Prozesse liegt in der Verfügbarkeit und Wiederverwendbarkeit von Informationen. Nachhaltigkeitsinformationen, Produktdaten oder Projektdaten müssen nicht neu erzeugt werden, sondern sollen auffindbar, übertragbar und in unterschiedliche Softwareumgebungen integrierbar sein. Standardisierte Datenmodelle, offene Schnittstellen und gemeinsame Informationsstrukturen schaffen die Grundlage dafür, dass Daten auch bei unterschiedlichen Anforderungen, Berichtsformaten oder Anwendungsfällen nutzbar bleiben. Dadurch sinken Medienbrüche, Doppelarbeit und die Abhängigkeit von einzelnen Werkzeugen oder proprietären Integrationen.
Resilienz zeigt sich außerdem in der Fähigkeit, Prozesse flexibel an neue Bedingungen anzupassen. In der Baustellenautomatisierung werden hierfür Simulationsmodelle, Echtzeitdaten und kontinuierliche Nachberechnungen eingesetzt. Risiken können bewertet, Ressourcen bereits vor Baustellenbeginn optimiert und Prozessanpassungen während der laufenden Ausführung vorgenommen werden. Die Einbindung von Prozessdaten, Cloud-Edge-Architekturen und Echtzeitkommunikation ermöglicht eine dynamische Steuerung auch bei veränderten Rahmenbedingungen auf der Baustelle.
Ein zusätzlicher Resilienzaspekt ergibt sich aus vertrauenswürdigen digitalen Identitäten und interoperablen Vertrauensmechanismen. Digitale Identitätsnachweise, Wallet-Konzepte, standardisierte Vertrauensdienste und europaweit interoperable Identitätsrahmen sollen Medienbrüche, wiederholte Identitätsprüfungen, Identitätsbetrug und starke Provider-Abhängigkeiten reduzieren. Dadurch werden digitale Interaktionen robuster, nachvollziehbarer und über Organisations- und Systemgrenzen hinweg verlässlicher nutzbar.

Nachweisbare Nachhaltigkeit entlang des gesamten Baulebenszyklus
Ein zentraler Baustein nachhaltiger Prozesse liegt in der Verfügbarkeit und Qualität von Nachhaltigkeitsdaten. Mehrere Perspektiven adressieren fehlende Transparenz, aufwendige Datenerfassung und begrenzte Belastbarkeit bestehender Nachhaltigkeitsinformationen. Durch standardisierte Datenmodelle, strukturierte Datenerfassung und die Aggregation von Informationen aus Projekten, Produkten und Lieferketten sollen Nachhaltigkeitsdaten konsistenter, nachvollziehbarer und über verschiedene Anwendungsbereiche hinweg nutzbar werden. Dies schafft die Grundlage für ESG-Berichterstattung, Nachhaltigkeitsbewertungen und datenbasierte Entscheidungen.
Eine besondere Rolle nehmen Materialdatenpässe ein. Sie bündeln Informationen zu Ökobilanzierung, Schadstoffgehalt und Zirkularität über unterschiedliche Lebenszyklusphasen hinweg – von Rohstoffgewinnung, Herstellung und Transport über Einbau und Betrieb bis hin zu Rückbau und Wiederverwendung. Nachhaltigkeitsinformationen werden dadurch nicht nur dokumentiert, sondern fortlaufend ergänzt, verknüpft und für unterschiedliche Beteiligte verfügbar gemacht. Materialdatenpässe unterstützen automatisierte Nachweise, die Berechnung von Nachhaltigkeitskennwerten auf Gebäudeebene, die Rückverfolgbarkeit von Produkten sowie die Wiederverwendung und das Wiederinverkehrbringen von Bauprodukten. Gleichzeitig schaffen sie zusätzliche Informationen über gesetzliche Anforderungen hinaus und erhöhen die Transparenz über reale Produkt- und Einbaudaten.
Nachhaltigkeit wird außerdem durch Nachweisfähigkeit und regulatorische Anschlussfähigkeit gestärkt. ESG-Berichterstattung, Nachhaltigkeitsnachweise und Sorgfaltspflichten erfordern belastbare Daten über Produkte, Lieferketten und Prozesse. In den Use Cases und Unternehmensperspektiven werden hierzu unter anderem CSRD-Anforderungen, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Lieferkettensorgfaltspflichten sowie Nachhaltigkeitsdaten zu Roh-, Verbrauchs- und Bauprodukten adressiert. Nachhaltigkeitsinformationen sollen nicht mehrfach manuell zusammengestellt werden, sondern strukturiert bereitstehen und für Berichte, Nachweise und regulatorische Anforderungen wiederverwendbar sein.

Souveräner Datenaustausch im Bau ohne Kontrollverlust
Ein zentraler Baustein der Datensouveränität liegt in der kontrollierten Nutzung und Freigabe von Daten. Technisch durchsetzbare Nutzungsbedingungen, Policies, Verträge und Connector-basierte Austauschmechanismen ermöglichen es, festzulegen, welche Daten geteilt werden, wer darauf zugreifen darf und unter welchen Bedingungen eine Nutzung zulässig ist. Datenaustausch erfolgt damit nicht über unstrukturierte Einzelintegrationen oder unkontrollierte Datenkopien, sondern über nachvollziehbare und regelbasierte Prozesse.
Datensouveränität setzt außerdem vertrauenswürdige digitale Identitäten voraus. Digitale Nachweise, Verifiable Credentials, Wallet-Konzepte, elektronische Identitäten sowie Mechanismen zur Identifizierung, Authentifizierung und Autorisierung schaffen die Grundlage für sichere digitale Interaktionen zwischen Organisationen, Personen, Anwendungen und Diensten. Identitäten und Berechtigungen werden dadurch nachvollziehbarer, standardisierter und über unterschiedliche Systeme hinweg nutzbar.
Datensicherheit und Datensouveränität schaffen damit die Grundlage für vertrauenswürdige Zusammenarbeit über Organisations-, Rollen- und Systemgrenzen hinweg. Daten können geteilt, weiterverwendet und in operative Prozesse eingebunden werden, während gleichzeitig Regeln, Zugriffsrechte, Identitäten und Nutzungsbedingungen kontrollierbar und nachvollziehbar bleiben.